Quelle: Fraunhofer IPA/Grafik: Emir Cuk
Ist jetzt alles Matrixproduktion?
Die Matrixproduktion gilt in einigen Diskussionen und Präsentationen als die Lösung für flexible und wandlungsfähige Fabriken. Dass das Konzept erstaunlich gut funktioniert, zeigen viele Studien und Praxisbeispiele. Doch ist es wirklich in allen Fällen die richtige Wahl?
Veröffentlicht am 02.07.2026
Lesezeit ca. 4 Minuten
Von Daniel Ranke
Die Matrixproduktion ist derzeit eines der spannendsten Themen in der Produktion – und im Fraunhofer IPA natürlich besonders präsent. Manche sehen in ihr sogar eine Art Allheilmittel für moderne Produktionsprobleme. Kein Wunder: Dieses Konzept verspricht hohe Flexibilität, beherrscht Variantenvielfalt, passt sich schnell an Veränderungen an und kann mit schwankender Nachfrage umgehen. Die Liste der Vorteile ist lang.
Aber natürlich gibt es auch Herausforderungen, vor allem bei der Steuerung und bei der Logistik. Doch selbst diese gelten heute nicht mehr als unüberwindbare Hindernisse. Für einfache Anwendungen können klassische Regeln eingesetzt werden. Oft hilft schon eine sogenannte »Frozen Zone«, also ein zeitlicher Planungshorizont, in dem nichts mehr verändert wird. Und für komplexere Szenarien stehen inzwischen auch Lösungen zur Verfügung.
Besonders überzeugend sind Praxisbeispiele. In zwei Studien haben meine Kolleginnen und Kollegen und ich bestehende Matrixproduktionen in Deutschland untersucht, sie in Reifegradstufen eingeordnet und konkrete Projekte unserer Partner porträtiert. Die Ergebnisse zeigen: Matrixproduktion funktioniert – in sehr unterschiedlichen Branchen und in ganz verschiedenen Formen (Links zu den Studien im Info-Kasten).
Das könnte Sie auch noch interessieren:
Dennoch bleiben zwei Fragen offen:
Ist die Matrixproduktion wirklich die eine Lösung für jede Produktionsherausforderung? Und: Gibt es die Matrixproduktion als Standardkonzept?
Unsere Antwort in beiden Fällen: Nein.
Am Fraunhofer IPA beschäftigen wir uns mit innovativen Produktionsansätzen. Die Matrixproduktion ist einer davon, aber nicht die einzig richtige Wahl. Für uns steht fest: Ein Produktionssystem muss immer zu den spezifischen Anforderungen passen. Flexibilität ist kein Selbstzweck, sondern ein Ziel, das je nach Ausgangssituation unterschiedlich erreicht werden kann.
Deshalb analysieren wir zunächst immer lösungsneutral die Produkte, Prozesse und verfügbaren Ressourcen. Ein zentrales Werkzeug dabei ist der Vorranggraph. Er zeigt, welche Arbeitsschritte voneinander abhängen und schafft damit die Grundlage für verschiedene Produktionsstrukturen. Mit diesem Modell vergleichen wir unterschiedliche Grobkonzepte: klassische Linien (eine Masterlinie oder mehrere Variantenlinien), spezialisierte Einzelarbeitsplätze und verschiedene Ausprägungen der Matrixproduktion mit unterschiedlichen Segmentierungen.
Wir denken bewusst zunächst breit – und vertiefen anschließend nur die vielversprechendsten Optionen. Am Ende bleiben meist ein oder zwei Lösungsansätze übrig, die wir dann detailliert ausarbeiten. Die Matrixproduktion kann einer davon sein, muss aber nicht.
Unser Anliegen ist es, dass die Matrixproduktion als gleichberechtigte Alternative in der Fabrikplanung gesehen wird – nicht als etwas Exotisches, sondern als Option, die immer mitgedacht werden sollte. Darum werben wir für das Konzept und arbeiten gleichzeitig offen und pragmatisch an realen Anwendungen.
Wie sehen Sie das? Welche Produktionssysteme haben Sie in Ihrer Produktion?
Lassen Sie uns dazu gerne unverbindlich sprechen. Ich freue mich auf Ihre E-Mail oder Ihren Anruf.
Ihr Ansprechpartner
Daniel Ranke
Geschäftssegmentleiter End-to-End Prozesse
Telefon: +49 711 970-1134
