Meldungen Q2/2026: Neue Studien, Zahlen und Köpfe

Ein humanoider Roboter geht über eine Rampe

Durch Bewegungen mit verschiedenen Laufwegen auf einer Rampe wird die Fähigkeit zur Selbststabilisierung untersucht. (Quelle: Fraunhofer IPA/Foto: Rainer Bez)

Meldungen Q2/2026: Neue Studien, Zahlen und Köpfe

Es gibt viel zu lesen: ein neues Handbuch über kreislauffähige Wertschöpfung, zwei Whitepaper über Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung in der Batteriezellenproduktion sowie den Jahresbericht des Fraunhofer IPA. Außerdem: ein Benchmark für Humanoide und ein neuer Professor für Robotik – gesammelte Meldungen für den schnellen Überblick.

Veröffentlicht am 08.07.2026

Lesezeit ca. 7 Minuten

Handbuch Kreislauffähige Wertschöpfung erschienen

Das neu erschienene »Handbuch Kreislauffähige Wertschöpfung« zeigt, wie Unternehmen nachhaltige Wertschöpfung in der Praxis umsetzen können. Die Autorinnen und Autoren analysieren zentrale Konzepte, Technologien und Geschäftsmodelle zur Kreislaufwirtschaft entlang des gesamten Produktlebenszyklus. Im Fokus stehen unter anderem regulatorische Entwicklungen, neue Anforderungen an Produktentwicklung und Produktion, digitale Lösungen wie der Digitale Produktpass sowie kollaborative Ansätze in Wertschöpfungsnetzwerken. Anwendungsbeispiele aus der Industrie verdeutlichen Chancen und Herausforderungen. Ziel ist es, Unternehmen und Fachkräften konkrete Hilfestellung für die Transformation hin zu einer kreislauffähigen Wertschöpfung zu geben. Das Handbuch ist als Open-Access-Publikation verfügbar. Die Druckversion erscheint am 10. Juli.

Fraunhofer IPA legt Jahresbericht 2025/26 vor

Das Fraunhofer IPA hat seinen Jahresbericht 2025/26 veröffentlicht. Alle elf Geschäftsbereiche und ihre elf Forschungsbereiche berichten darin über aktuelle Forschungsprojekte – von KI-gestützter Automatisierung über Batterie- und Wasserstofftechnologien bis hin zu nachhaltigen Beschichtungen und personalisierten Therapien. Als eines der Projekt-Highlights entwickelt das Institut gemeinsam mit Varta Microbattery eine schadstofffreie Hochenergie-Rundzelle für Heimspeicher. Das Land Baden-Württemberg fördert das Vorhaben mit zwei Millionen Euro; bis Ende 2028 soll die Zelle marktfähig sein.

Das Fraunhofer IPA verzeichnet als Gründungsinstitut für 2025 insgesamt 13 Start-ups im Company-Builder AHEAD und eine eingetragene Ausgründung, sechs abgeschlossene Lizenzverträge und 21 Patente. Exemplarisch steht das Ausgründungsprojekt »Prehensio«. Das Forschungsteam entwickelt eine KI-basierte Softwareplattform, mit der Industrieroboter komplexe Greif- und Handhabungsaufgaben deutlich flexibler und einfacher automatisieren können. Das Institut zählt rund 1130 Mitarbeitende (Stand: 31. Dezember 2025); der Gesamthaushalt beträgt 99 Millionen Euro.

Titelseite des Jahresberichts 2025/26 des Fraunhofer IPA
Quelle: Fraunhofer IPA

Humanoide Roboter: standardisierte Analysen für anwendungsrelevante Kriterien

Das Fraunhofer IPA hat einen standardisierten Benchmark zur objektiven Bewertung Humanoider Roboter entwickelt. Damit können Hersteller und Endanwender erstmals die tatsächlichen Fähigkeiten und Einsatztauglichkeit dieser Roboter neutral analysieren lassen. Das ist besonders in diesem intransparenten Markt wichtig, in dem Marketing und Realität oft auseinanderklaffen.

Der modular aufgebaute Benchmark umfasst sechs Bereiche, die sich an internationalen Industriestandards orientieren:

  1. Basisfähigkeiten: Es werden die verbauten Sensoren, KI-Modelle sowie Laufgeschwindigkeit und Greifkräfte untersucht.
  2. Komplexe Fähigkeiten: Praxisnahe Aufgaben wie Treppenlaufen, Hindernisbewältigung und Bewegungsgenauigkeit werden bewertet.
  3. Reinraumtauglichkeit: Die Partikelfreisetzung wird nach ISO 14644-14 geprüft – besonders entscheidend für Pharma- und Halbleiterindustrie.
  4. Funktionale Sicherheit: Kollisionstests, Kraftbegrenzung und Stabilität werden für eine sichere Mensch-Roboter-Kollaboration getestet.
  5. Cybersicherheit: Schwachstellenmanagement und Netzwerksicherheit werden angesichts steigender gesetzlicher Anforderungen ermittelt.
  6. Energieeffizienz: Die Batterielaufzeit wird in verschiedenen Szenarien gemessen.

Am Beispiel des Unitree G1 zeigte sich die Praxisrelevanz: Der Roboter erwies sich als reinraumtauglich, offenbarte aber Sicherheitsprobleme bei Kollisionen (über 500 Newton) und eine kritische Bluetooth-Sicherheitslücke in der damals vorliegenden Softwareversion.

Der Benchmark kann ab sofort in einzelnen Modulen oder als Komplettanalyse beauftragt werden, sodass Unternehmen eine fundierte Entscheidungs- und Investitionsgrundlage vorliegen haben.

Er bringt Mensch und Maschine zusammen

Jens Kober ist seit März 2026 ordentlicher Professor für Grundlagen der Kognitiven Robotik am Institut für Künstliche Intelligenz der Universität Stuttgart und Forschungsteamleiter am Fraunhofer IPA. Er forscht an kognitiven Robotern, die auf einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Komponenten basieren – von der Sensorik und Spracherkennung bis zur Regelungstechnik und Mensch-Maschine-Interaktion. Kober will dieses Zusammenspiel verbessern und hat dabei am Fraunhofer IPA insbesondere die Baurobotik im Blick. Er entwickelt KI-gestützte Methoden, Instrumente und Algorithmen, die es ermöglichen, lernfähige Roboter in ihrem jeweiligen Einsatzgebiet über die Grundprogrammierung hinaus weiter zu schulen.

Bevor er nach Stuttgart wechselte, war Kober außerordentlicher Professor und Assistenzprofessor an der TU Delft in den Niederlanden. Weitere Stationen seiner wissenschaftlichen Karriere waren unter anderem die Universität Bielefeld, das Honda Research Institute Germany, das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme und die Technische Universität Darmstadt. Kober ist Preisträger des Robotics Science and Systems Early Career Award 2022 und des IEEE-RAS Early Academic Career Award in Robotics and Automation 2018. Seine Doktorarbeit wurde 2013 mit dem Georges Giralt PhD Award als beste Doktorarbeit im Bereich Robotik in Europa im Jahr 2012 ausgezeichnet. Er ist Fellow des European Laboratory for Learning and Intelligent Systems (ELLIS), Schriftführer der Robot Learning Foundation und engagiert sich in unterschiedlichen Funktionen für das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE).

Portrait von Professor Jens Kober
Professor Jens Kober (Quelle: Fraunhofer IPA/Foto: Rainer Bez)

Wie Digitalisierung und KI die europäische Batteriezellenproduktion wettbewerbsfähig machen

In ihrem Whitepaper »Digitalization and AI in Battery Cell Manufacturing« zeigen Forscherinnen und Forscher vom Zentrum für Digitalisierte Batteriezellenproduktion (ZDB) am Fraunhofer IPA, welch enorme Effizienzsteigerungen und Kostenvorteile eine konsequent digitalisierte Batteriezellenproduktion bietet. So produzierten alle Batteriehersteller zusammen im Jahr 2025 etwa 300 000 Tonnen Ausschuss. Würde man diesen Ausschuss auf einen Güterzug verladen, wäre dieser ungefähr 110 Kilometer lang. Der Zug wäre nur halb so lang, wenn die Batteriezellenfertigung konsequent digitalisiert und von Künstlicher Intelligenz überwacht würde.

Die Anwendungsfälle, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrem Whitepaper beschreiben, decken die gesamte Produktion ab – vom Hochlauf neuer Fabriken über die Qualitätssicherung bis hin zur Instandhaltung von Maschinen und Anlagen. Sie zeigen, wie sich Produktions- und Maschinendaten so verknüpfen lassen, dass Abläufe transparent und damit besser steuerbar werden. Alle vorgestellten Lösungen sind bereits fertig entwickelt und in der Praxis erprobt.

Titelseite des Whitepapers »Digitalization and AI Applications in Battery Cell Manufacturing – From Concept to Added Value«
Quelle: Fraunhofer IPA

Kreislaufwirtschaft braucht integrierte Strategie

Unternehmen setzen die Kreislaufwirtschaft bislang zu einseitig um. Das zeigt das im Mai veröffentlichte Whitepaper »Kreislaufwirtschaft strategisch umsetzen« des Fraunhofer IPA. Die Veröffentlichung, die auf Experteninterviews mit elf Fach- und Führungskräften aus Maschinenbau, Automobil, Elektronik und Chemie basiert, belegt: Effizienzmaßnahmen dominieren die Praxis, während Suffizienz kaum als eigenständige Strategie verfolgt wird. Konsistenzansätze wie Ökodesign oder Remanufacturing bleiben oft auf Pilotprojekte beschränkt.

Als stärkste Treiber nennen die befragten Unternehmen regulatorische Vorgaben, etwa die EU-Ökodesign-Verordnung und den ab 2027 verpflichtenden Digitalen Produktpass für E-Fahrzeugbatterien. Das Fraunhofer IPA empfiehlt Unternehmen, alle drei Nachhaltigkeitsstrategien – Effizienz, Konsistenz und Suffizienz – integriert anzuwenden, digitale Transparenz über Produktlebenszyklen herzustellen und Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette aufzubauen.

Ihre Ansprechpartner

Karin Röhricht

Mitarbeiterin des Forschungsbereichs Automatisierung und Robotik
Telefon: +49 711 970-3874

Jörg-Dieter Walz

Stv. Leiter Unternehmenskommunikation und Großprojekte
Telefon: +49 711 970-1667

Hannes Weik

Mitarbeiter für Presse- und Online-Kommunikation
Telefon: +49 711 970-1664

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