Risiken bei der Fabrikplanung minimieren

Modell einer Fabrik

Quelle: Fraunhofer IPA/Foto: Rainer Bez

Risiken bei der Fabrikplanung minimieren

Erfolgreiche Unternehmen behaupten sich über Jahrzehnte am Markt. In dieser Zeit stehen sie immer wieder vor der Aufgabe, ihre Produktions- und Logistikkapazitäten ihrem Erfolg anzupassen und ihre Fabriken für eine sichere Zukunft neu zu planen und zu erweitern.

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Ein Fabrikplanungsprojekt ist immer ein strategisches Projekt. Es wirkt sich langfristig aus. Durch den starken personellen Einsatz, die hohen finanziellen Investitionen, aber auch die Vielfalt der Fabrikziele, weckt die Fabrikplanung entsprechend hohe Erwartungen bei den verschiedenen Beteiligten. Gerade für Unternehmen, die sich keine dauerhaften Planungsabteilungen leisten, können diese Erwartungen eine Belastung sein.

Grafik: Fabrikziele
Die hohen Erwartungen entspringen der Vielfalt der beispielhaft dargestellten Fabrikziele.

Fabrikplanung als Teil der Fabrikentstehung

Wie die zukünftige Fabrik aussehen soll, wird in der Fabrikplanung festgelegt. In der Planung setzt man sie voraus und geht im Fabrikplanungsprojekt die ersten Schritte auf dem Weg zur zukünftigen Fabrik. Diese Startphase entscheidet in einem sehr hohen Maße über den zukünftigen Unternehmenserfolg. Insofern muss Fabrikplanung als Bestandteil des Fabrikentstehungsprozesses verstanden werden.

Partner richtig einbinden

Weil Fabrikplanung und Fabrikbetrieb gegenseitig voneinander abhängen, sind Entscheidungen im Fabrikentstehungsprozess elementar. Leitende Frage ist deshalb: Wie wirken sich Entscheidungen dieser Phase über den gesamten Lebenszyklus der Fabrik aus? Um diese Frage beantworten zu können, sind die Phasen des Fabrikentstehungsprozesses Planungsphase – Genehmigung – Baustart – Umzugsstart – Umzugsende – Anlaufphase in den Blick zu nehmen und die beteiligten Partner klar zuzuordnen. Ein Augenmerk muss zum Beispiel auf der Umzugsphase liegen. Das ist die Zeit zwischen der Unterbrechung des eingelaufenen Produktionsablaufs bis zur vollständigen Aufnahme des neuen Prozesses. Die wenigsten Unternehmen können sich eine vollständige Unterbrechung der Produktion für einen Zeitraum von ungefähr sechs Monaten leisten.

Eine Vielzahl an Partnern ist an der Planung, Sicherung und Einrichtung von den ersten Planungsskizzen bis zum abgenommenen Gebäude mit teilweise neuen Anlagen beteiligt. Sie alle müssen zum richtigen Zeitpunkt im Fabrikentstehungsprozess eingebunden werden.

Grafik. Fabrikentstehungsprozess
Beteiligte am Fabrikentstehungsprozess

Risiken identifizieren

Durch die komplexen Zusammenhänge lassen sich nicht alle Risiken komplett ausschließen, sodass Risiken unterschiedlicher Charakteristik den Alltag der Planung und Aufbau neuer Fabrikstrukturen stets begleiten. Risiken, die den Start der Planungsphase stark beeinflussen und das gesamte Projekt atmosphärisch stören können, sind zum Beispiel mangelnde Aufgabenbeschreibung, Budgetfehlplanung oder unzureichende Festlegung von Prämissen.

Zum Zeitpunkt der ersten Idee ist die geplante Fabrik noch nicht greifbar. Deswegen kann eine Aufgabenbeschreibung zum Projektstart selten so konkret und präzise formuliert werden, dass alle Akteure das Gleiche verstehen und in die gleiche Richtung arbeiten.

Die Entscheidung, »dass etwas getan werden muss«, fällt in der Regel mit Blick auf den bisherigen Fabrikbetrieb. Der aktuelle Zustand der Fabrik lässt eine weitere Entwicklung nicht zu. Zu diesem Zeitpunkt ist eine »quantifizierte« Beschreibung der Fabrikplanungsaufgabe noch in weiter Ferne. Es herrscht eher die Einstellung vor, dass die Experten wissen, was zu tun sei. Die Experten können aber nur mit klar definierten Grundlagen arbeiten.

Mit der Entscheidung einer Restrukturierung entwickeln sich auch Vorstellungen, ja sogar Visionen, wie die neue Fabrik zu gestalten ist. Ohne die Berücksichtigung des verfügbaren Budgets entstehen Varianten, die spätestens bei der Budgetbetrachtung wie ein Kartenhaus einstürzen können.

Im Rahmen der Grundlagenermittlung eines Fabrikplanungsprojekts werden, basierend auf festgelegten Prämissen, beispielsweise die Maschinen, die verschrottet oder solche, die weiter genutzt werden, betrachtet. Wenn unter den entsorgten Anlagen solche dabei sind, die für spezielle Arbeitsschritte keine Redundanz haben, kann dieses hohe Aufwände nach sich ziehen.

Um die Risiken zu minimieren, müssen diese genau analysiert werden: Welches sind die wichtigsten Risiken? Gibt es Risiken, mit denen wir auf jeden Fall leben müssen? Welche Risikoarten können wir ausmachen?

Risiken clustern

Aus der Erfahrung von Fabrikplanungsprojekten bietet der 4-Felderkreis eine praxiserprobte Möglichkeit, die unterschiedlichen Risiken zu clustern.

Jedes Unternehmen unterliegt handlungsrelevanten Rand-oder Rahmenbedingungen, die es nicht unmittelbar beeinflussen kann. Auf die Planung der nächsten Entwicklungsstufe bezogen, sind diese Grenzen zu hinterfragen und nachfolgende Fragen zu beantworten: Was beeinflusst unser Handeln, ohne dass wir darauf unmittelbar Einfluss nehmen können? Welches sind unsere Grenzen?

Die inhaltlichen Aufgaben sind die Basis der gesamten Planung. Langfristig kann Erfolg nur über eine richtige Prognose des Produktportfolios in Kombination mit dem richtigen Herstellungsprozess erreicht werden. Folgende Fragen stellen sich dabei: Sind wir effektiv? Wie gestalten wir unsere Planungsarbeit methodisch? Sind wir effizient?

Die Ausmaße an Veränderungen lässt es in dieser Art von Projekten immer auch menscheln. Wie gehen wir dabei mit uns selbst und miteinander um? Beteiligte können so ein Projekt als ihre ganz persönliche Chance oder als Bedrohung sehen. Trotzdem sind Fabrikplanungsprojekte Meilensteine im Lebenszyklus eines Unternehmens, die einzig und allein, den möglichst erfolgreichen Fortbestand des Unternehmens zum Ziel haben.

4-Felderkreis
Der 4-Felderkreis (nach H.R. Schübel und H. Reinerth)

Abschließende Thesen

  • Die Fabrikplanung erarbeitet die Grundlage des gesamten Fabrikentstehungsprozesses.
  • Die Fabrikplanung schreibt das Drehbuch für die Zusammenarbeit der involvierten Partner in jeder einzelnen Phase des Fabrikentstehungsprozesses.
  • Risiken lassen sich nicht ausschließen, aber minimieren.
  • Die Vielzahl der Partner mit nicht immer übereinstimmenden Zielsetzungen macht einen Blick über den Tellerrand der fachlichen Zusammenarbeit hinaus in Richtung sozialer Zusammenarbeit notwendig.
  • Die Komplexität des Fabrikentstehungsprozesses lässt einen idealen Ablauf in der Praxis nur in den seltensten Fällen zu.

Ihre Ansprechpartner

Hans Reinerth MBA

Mitarbeiter der Gruppe Fabrikplanung und Wertstromdesign
Telefon: +49 711 970-1981

Hubert R. Schübel

Berater bei Consultoria
Telefon: +49 711 85 60-201