Der autonome Reithofassistent kann in Reithallen die Böden nivellieren und hat gegenüber bisherigen Lösungen viele Vorteile. (Quelle: Fraunhofer IPA)
ARA: Unterstützung durch den autonomen Reiterhofassistenten
In der Robotikforschung passiert in Deutschland unglaublich viel. Aber der Weg vom Labor ins Unternehmen ist bei zu vielen Demonstratoren noch steinig. Das Fraunhofer IPA fördert deshalb den Technologietransfer und betreibt einen Start-up Inkubator. interaktiv präsentiert drei Ausgründungen und ein Gründungsprojekt. Heute: ARA, der autonome Reiterhofassistent.
Das Team um Kevin Bregler beschäftigt sich mit der Gründung eines Start-ups, arbeitet aber aktuell noch am Fraunhofer IPA. Mit seiner Gründungsidee besetzt es eine der im Startartikel dieser Serie zitierten Nischen, in der das Interesse an Robotik zunächst zu überraschen vermag.
Das Forschungsteam entwickelt seit Jahren autonome Outdoor-Roboter, insbesondere für die Landwirtschaft, was die Grundlage seiner Arbeit bildet. Dank dieser Erfahrungen und der vorhandenen Software konnte das Team bereits nach einem Jahr Prototypen-Dauertests eines neuen autonomen Roboters für Reiterhöfe starten. Die Idee hierfür kam von Familie Orth vom »Leuchtfeuerhof« in der Pfalz. Sie suchte nach einem Roboter zur Nivellierung des Reitbodens und sprach Kevin Bregler Ende 2023 an, weil am Markt nichts zu finden war und ihre Recherche sie zu Breglers Team gebracht hatte. Innerhalb kurzer Zeit wurde ARA, der autonome Reiterhofassistent, entwickelt und im Januar dieses Jahres getestet – zunächst mit einer gekauften Plattform, dann mit eigener Hardware.
Extrem großes Interesse aus der Pferdewirtschaft
Der Bedarf an Automation auf Reiterhöfen ist hoch. Entsprechend groß ist das Interesse am neuen Roboter. »Das hatten wir noch nie, dass wir förmlich mit Begeisterung überschüttet wurden«, berichtet Bregler. »Mit unserer Entwicklung haben wir offenbar ins Schwarze getroffen.« Denn das Nivellieren der Böden in Reithallen ist essenziell, um die Pferde vor Verletzungen zu schützen. Bisher führt das Reiterhofpersonal diese Arbeit mit klassischen Traktoren durch. Doch das Gewicht der Schlepper drückt den Boden fest und verschiebt ihn bei Kurvenfahrten, die Kosten sind hoch, und die Fahrzeuge stoßen Emissionen aus. Der Betrieb birgt Risiken für Mensch und Tier.
ARA hingegen kann nachts autonom arbeiten, wenn kein Reitbetrieb ist. Er ist leichter und verdichtet den Boden nicht. Elektrisch betrieben verursacht er keine Emissionen. Familie Orth ist mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Dazu kommt mehr Ruhe auf dem Hof, weil viele Schlepperfahrten entfallen. Das freut Mensch und Tier.
Autonomer Reiterhofassistent nimmt weiter Fahrt auf
Ein Erfolgsfaktor für die ARA-Entwicklung ist das schnelle Feedback der Endanwender, das direkt in die Weiterentwicklung fließt. Über ein Dutzend Reiterhöfe, bei denen ARA getestet wird, bringen ihr Feedback ein. Die einfache Benutzbarkeit des Roboters ist ebenfalls entscheidend. Reiterhofpersonal sollte den Roboter lediglich auspacken, anschalten und auf eine kurze Kartierungsfahrt schicken müssen. Die Einrichtung soll maximal 15 Minuten dauern, danach agiert der Roboter autonom.
Das Forschungsteam möchte mit Reiterhöfen, Forschungsgruppen und Maschinenherstellern weitere Ausbaustufen angehen. Dazu gehören Aufgaben wie das Kehren, Misten und Transportieren. Die Zusammenarbeit soll die Robotik auf Pferdebetriebe bringen und zu deren Wirtschaftlichkeit beitragen. Der Roboter soll bei einer potenziellen Markteinführung nicht mehr als 40 000 Euro kosten.
Serie über Robotik-Spin-offs des Fraunhofer IPA
Eine Serie von Beiträgen beschäftigt sich in interaktiv mit einem Gründungsprojekt und drei Start-ups, die aus dem Forschungsbereich Automatisierung und Robotik am Fraunhofer IPA hervorgegangen sind. Erschienen ist in dieser Serie bereits:
Ihr Ansprechpartner
Kevin Bregler
Forschungsteamleiter Navigation mobile Roboter
Telefon: +49 711 9701371