Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Japan-Germany Open Innovation Forum am 14. Juli 2026 in Hamamatsu. (Quelle: JETRO)
Deutsch-japanisches Innovationsnetzwerk für die Transformation der Automobilindustrie
Wie bleiben etablierte Industrieregionen wettbewerbsfähig? Mit dieser Frage befasste sich das Japan-Germany Open Innovation Forum in Hamamatsu, organisiert von der Japan External Trade Organization (JETRO) und dem Fraunhofer IPA. Im Zentrum stand der Wandel der Automobilindustrie und welche Rolle offene Innovationsnetzwerke dabei spielen.
Veröffentlicht am 30.07.2026
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Während die Region Stuttgart Heimat ist von Weltmarken wie Mercedes-Benz und Porsche, gilt Hamamatsu als Geburtsort von Honda, Suzuki und Yamaha. Gemeinsam mit dem benachbarten Toyota-Cluster bildet die Region eines der bedeutendsten Mobilitäts- und Fertigungszentren Japans. »Hamamatsu und Stuttgart verbindet aber weit mehr als ihre industrielle Tradition. Beide Regionen befinden sich mitten in einer industriellen Transformation und verfügen über exzellente Voraussetzungen, um diese aktiv zu gestalten«, sagt Konstantin Schneider von der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Stuttgart. Japan ist, neben anderen Auslandsmärkten wie den USA, eine wichtige internationale Partnerregionen für die Stadt Stuttgart und bietet großes Potenzial für langfristige Innovationskooperationen.
Den fachlichen Auftakt des Forums gestalteten Akira Endo, Executive Officer und Leiter des Bereichs Materials & Chemicals am japanischen National Institute of Advanced Industrial Science and Technology (AIST), sowie Ivica Kolarić, Geschäftssegmentleiter Multifunktionale Materialien am Fraunhofer IPA. In ihren Vorträgen beleuchteten die beiden Wissenschaftler die Auswirkungen von Kreislaufwirtschaft, nachhaltigen Werkstoffen und technologischen Innovationen auf die Zukunft der industriellen Fertigung in Deutschland und Japan. Darüber hinaus zeigten sie auf, welche Rahmenbedingungen die Entstehung neuer Technologien und Industriezweige fördern und welche Rolle Forschungskooperationen, Innovationscluster und der Technologietransfer für die internationale Wettbewerbsfähigkeit spielen. Ihre Beiträge verdeutlichten, dass die erfolgreiche Transformation der Automobilindustrie eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichen Akteuren erfordert.
Neue Technologien verändern die Automobilindustrie
Die Diskussionen auf dem Forum machten deutlich, dass sich die Automobilindustrie weit über die Elektrifizierung hinaus verändert. Zukunftsthemen wie Batterietechnologien, KI-gestützte Produktionssysteme, Kreislaufwirtschaft sowie die Biologisierung von Materialien und Prozessen gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Besonderes Interesse fanden Entwicklungen im Bereich biobasierter Polymere und Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen für Interieur- und Exterieuranwendungen. Diese Materialien sollen künftig nicht nur den CO2-Fußabdruck von Fahrzeugen reduzieren, sondern auch neue funktionale Eigenschaften ermöglichen. Gleichzeitig verändert Künstliche Intelligenz Entwicklungsprozesse, Wertschöpfungsketten und Produktionssysteme grundlegend.
Open Innovation als Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit
Ein zentrales Ergebnis der Veranstaltung: Die steigende Komplexität neuer Technologien kann von einzelnen Unternehmen kaum noch allein bewältigt werden. Stattdessen gewinnen offene Innovationsnetzwerke zunehmend an Bedeutung. Wie erfolgreich dieser Ansatz sein kann, zeigte Gaku Sugino, Präsident und Geschäftsführer der Firma Sugino Machine Limited. Er stellte mehrere gemeinsame Entwicklungsprojekte seines Unternehmens mit dem Fraunhofer IPA vor. Dazu gehören biobasierte Farbpigmente, sogenannte »Crusty Pigments«, sowie neue Ansätze für die Optimierung von Batterie-Slurries. Die Beispiele verdeutlichen, wie durch die Verbindung von wissenschaftlicher Expertise und industrieller Anwendungskompetenz Innovationen schneller und wirtschaftlicher umgesetzt werden können.
Ein weiteres Praxisbeispiel präsentierte die Firma Omron gemeinsam mit dem Stuttgarter Forschungscampus ARENA2036. Im Fokus standen dabei intelligente Automatisierungskonzepte für die Produktion der Zukunft. Vorgestellt wurden KI-gesteuerte, autonome Robotersysteme für Bestückungs- und Intralogistikprozesse. Die Anwendungen zeigen, wie digitale Technologien dazu beitragen können, Produktionssysteme flexibler, effizienter und resilienter zu gestalten.
Von Einzelprojekten zu einer strategischen Partnerschaft
Die Teilnehmenden waren sich einig, dass Hamamatsu und Stuttgart über komplementäre Kompetenzen verfügen und gemeinsam als strategische Innovationsbrücke zwischen Europa und Japan agieren können. Das gemeinsame Ziel besteht darin, die industrielle Transformation aktiv zu gestalten, neue Wertschöpfungspotenziale zu erschließen und im globalen Wettbewerb verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Insbesondere für die Zulieferindustrie bieten gemeinsame Innovationsprojekte die Chance, neue Geschäftsfelder zu entwickeln und internationale Partnerschaften auszubauen.
Kenichi Nakamoto von JETRO Hamamatsu fasste die Zielsetzung des Forums zusammen: »Die Herausforderungen unserer Regionen sind nahezu identisch. Umso wichtiger ist es, voneinander zu lernen, Kompetenzen zu bündeln und gemeinsam neue Innovationspfade zu erschließen.«
Startschuss für weitere Kooperationen
Das Japan-Germany Open Innovation Forum wurde von den Beteiligten als wichtiger Ausgangspunkt für eine vertiefte Zusammenarbeit bewertet. Zahlreiche Gespräche zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentlichen Institutionen wurden bereits während der Veranstaltung initiiert.
Für das Frühjahr 2027 ist eine Folgeveranstaltung in der Region Stuttgart geplant. Dort sollen die in Hamamatsu formulierten Absichtserklärungen in konkrete Projekte und Aktivitäten überführt werden.
Japan-Germany Open Innovation Forum
Das Japan-Germany Open Innovation Forum fand am 14. Juli 2026 in Hamamatsu statt. Veranstalter waren JETRO Hamamatsu und das Fraunhofer IPA, unterstützt von der Stadt Hamamatsu, dem Industrial Research Institute of Shizuoka Prefecture sowie weiteren regionalen Innovationspartnern. Ziel der Veranstaltung war es, die Zusammenarbeit zwischen japanischen und deutschen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentlichen Akteuren zu stärken und neue Innovationsprojekte anzustoßen.
Ihr Ansprechpartner
Ivica Kolarić
Geschäftssegmentleiter Multifunktionale Materialien
Telefon: +49 711 970-3729
