Quelle: Fraunhofer IPA/Foto: Rainer Bez
Ganzheitliche Optimierung der Intralogistik mit Hilfe der Wertstrommethodik
Um Verschwendung entlang der Produktionsprozesse zu vermeiden, wird die Produktion am Kundentakt ausgerichtet. Doch wie ist das bei der Intralogistik? Genau das untersucht ein Forschungsteam vom Fraunhofer IPA, indem es die Wertstrommethode auf unternehmensinterne Logistikprozesse anwendet.
Veröffentlicht am 25.06.2026
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Seit über einem halben Jahrhundert prägt die Lean-Philosophie die Produktionen weltweit und immer noch sind die Methoden und Grundsätze aktuell. Insbesondere die kontinuierliche Verbesserung ist in den aktuell dynamischen und sich wandelnden Zeiten Grundvoraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit und Erfolg der Unternehmen.
Das wohl bekannteste Werkzeug zur Gestaltung und Optimierung der Produktion ist die Wertstrommethode. Mit Hilfe der Wertstromanalyse wird der gegenwärtige Zustand der Produktion abgebildet, um sie im Wertstromdesign zu optimieren. Acht Gestaltungsrichtlinien bilden dabei den Rahmen für eine systematische und methodisch gestützte Gestaltung und Optimierung der Produktion. Gemäß der ersten Richtlinie ist das Kapazitätsangebot eines jeden Prozesses durchgängig am Kundentakt auszurichten. Eine klare Anweisung, die den Kern der Lean-Philosophie widerspiegelt: Die Produktion richtet sich am Kunden und seiner Nachfrage aus, um Verschwendung zu vermeiden.
Doch wie sieht es in der Intralogistik aus? Wonach richtet sie sich aus? Wer ist der Kunde der Logistik und welche Richtlinien garantieren die Gestaltung eines schlanken Intralogistiksystems?
Entwicklung einer Gestaltungsmethodik für eine schlanke Intralogistik
Die Antworten auf diese Fragen erarbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Forschungsteam Fabrikplanung und Wertstromdesign am Fraunhofer IPA im Forschungsprojekt »Wertstromorientierte Gestaltung schlanker Logistiksysteme« (WSLog).
Gegenstand von WSLog ist die Entwicklung einer Gestaltungsmethodik für schlanke Intralogistiksysteme, die sich an der bewährten Wertstrommethode orientiert und deren Grundsätze in die Logistik überträgt. Hierzu formulieren die Forscherinnen und Forscher Gestaltungsprinzipien und -richtlinien für die Intralogistikprozesse. Zudem visualisieren sie Intralogistikprozesse und quantifizieren Kennzahlen. Dafür betrachten sie die gesamte innerbetriebliche logistische Kette – vom Wareneingang, über Lagerung, Kommissionierung, Umschlag und Transport zur Versorgung der Produktion mit Material bis hin zum Warenausgang.
Gestaltung schlanker Logistiksysteme
Im Ergebnis sind
- Gestaltungsprinzipien und Gestaltungsrichtlinien für die Gestaltung der Intralogistikprozesse,
- Gestaltungshinweise für die Funktionsbereiche und
- ein Gestaltungsvorgehen für die schlanke Intralogistik
entstanden.
Hintergrund
Das Forschungsprojekt »Wertstromorientierte Gestaltung schlanker Logistiksysteme« (WSLog) wurde über die Bundesvereinigung Logistik (BVL) von der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.
Die Gestaltungsprinzipien bilden den Gestaltungsrahmen für das Logistiksystem. Sie geben die Richtung vor, in die sich die Systemgestaltung entwickeln soll. Während in einem schlanken Produktionssystem der Wert aus Kundensicht im Fokus steht, so ist dies in der Logistik die Nutzenorientierung aus Sicht des externen, aber auch des internen Kunden. Nur wenn ein Logistiksystem im Sinne des Nutzers effektiv gestaltet ist, kann der Mehrwert einer effizienten Logistik zum Tragen kommen.
Die Gestaltungsrichtlinien bilden einen Leitfaden, mit dessen Hilfe die Ideallösung gestaltet werden kann. Eine der Richtlinien besagt beispielsweise, dass Prozesse auf ihre Notwendigkeit im Sinne des Nutzers untersucht werden sollen. Die Prüfung auf Notwendigkeit resultiert in der Eliminierung von aus Nutzersicht überflüssigen Prozessen, um das Idealbild einer »One Touch«-Logistik zu erreichen.
Die Gestaltungshinweise beinhalten schließlich konkrete Empfehlungen für die Gestaltung der einzelnen Logistikbereiche, die über die Prozessgestaltung hinausgehen. Im Lager wird zum Beispiel eine artikelreine Platzbelegung und die Ausrichtung des Zentralisierungsgrades an den Strategien der Materialbereitstellung empfohlen.
Das Gestaltungsvorgehen zeigt schließlich in klar definierten Schritten, wie bei der Gestaltung der Intralogistik im Unternehmen vorgegangen werden kann, und wie Gestaltungsrichtlinien und -hinweise strukturiert umgesetzt werden können. Es ermöglicht auch kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ein eigenständiges Vorgehen bei der Anwendung der Methode.
Forschungsergebnisse werden bald veröffentlicht
Die Projektergebnisse wurden vom projektbegleitenden Ausschuss – bestehend aus fünf KMUs aus Baden-Württemberg – geprüft und bestätigt. Ihre Ergebnisse wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Kürze publizieren. Bis es so weit ist, geben sie gerne im persönlichen Gespräch Auskunft.
Ihre Ansprechpartnerin
Lena Langenfeld
Projektleiterin im Forschungsteam Fabrikplanung und Wertstromdesign
Telefon: +49 711 970-3561
