Insbesondere Robotik im Einsatz ohne Schutzzaun bedarf besonderer Sicherheitsmaßnahmen. (Quelle: Fraunhofer IPA/Foto: Rainer Bez)
Meldungen Q1/2026: Zukunftstechnologien für eine wettbewerbsfähige Industrie
Künstliche Intelligenz und humanoide Roboter krempeln derzeit die deutsche Industrie um. In verschiedenen Forschungsprojekten hilft das Fraunhofer IPA Unternehmen dabei, diese beiden Technologien zu bewerten und in der Praxis anzuwenden – gesammelte Meldungen für den schnellen Überblick.
Künftig mehr Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft
»Finishing for Compliments« – unter dieses Motto stellen Forscherinnen und Forscher vom Fraunhofer IPA ihren Messeauftritt auf der diesjährigen PaintExpo. Von 14. bis 17. April geben sie auf dem Karlsruher Messegelände Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte, die beschichtenden Unternehmen zu nachhaltigeren sowie smarten, KI-gestützten Lackierprozessen verhelfen. Vorgestellt werden unter anderem ein simulationsgestützter Vorbehandlungsprozess für metallische Oberflächen, ein von Künstlicher Intelligenz überwachter Lackierprozess und eine langanhaltend antikorrosiv wirkende lösemittelfreie Zinkgrundierung auf Wasserbasis: Halle 1, Stand 1322.
Hardware für Humanoide: Neue Perspektiven für die europäische Industrie
Das Fraunhofer IPA und die Unternehmensberatung P3 haben in einem Whitepaper mit dem Titel »The Humanoid Hardware Value Chain« analysiert, wie europäische Komponentenhersteller vom wachsenden Markt für humanoide Roboter profitieren können. Denn trotz massiver Fortschritte in der KI-basierten Software bleibt die Hardware entscheidend für die Wirtschaftlichkeit, Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit von Humanoiden. Es fehlen jedoch standardisierte Hardwarearchitekturen und viele Komponenten, etwa Aktuatoren, Batterien und Sensoren, erfüllen die industriellen Anforderungen nur teilweise.
Die Analyse zeigt, dass flexible Hände der größte Engpass bei den Bauteilen sind. Ein Bottom-up-Kostenmodell vergleicht verschiedene Roboterkonfigurationen und hebt die wichtigsten Kostentreiber hervor. Die Autoren empfehlen Unternehmen, frühzeitig in die Entwicklung und Industrialisierung von Schlüsselkomponenten zu investieren und eng mit Roboterherstellern zusammenzuarbeiten. Das Whitepaper liefert damit wichtige Entscheidungsgrundlagen für europäische Unternehmen, um die neuen Marktchancen für sich zu nutzen.
Bewertungsmodell zeigt, was ein humanoider Roboter kann
Das Fraunhofer IPA hat gemeinsam mit seiner Außenstelle in Heilbronn ein neues Bewertungsmodell entwickelt, das die technischen Fähigkeiten humanoider Roboter in fünf Ausbaustufen und vier Kategorien einordnet, den »Humanoid Capabilities Navigator«. Damit stellt die Forschungseinrichtung einerseits Transparenz und Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Humanoiden her und erleichtert Unternehmen die Auswahl passender Roboter für spezifische Anwendungen. Andererseits legt das Bewertungsmodell technologische Lücken offen und unterstützt damit gezielte Entwicklungsentscheidungen.
In dem Whitepaper, das das Bewertungsmodell vorstellt, werden typische industrielle Anwendungen wie das Beladen von Lastwagen oder die Maschinenbedienung analysiert und die jeweils nötigen Fähigkeitsstufen dargestellt. Anhand des Roboters G1 von Unitree Robotics wurde das Modell praktisch erprobt: Während in der Mobilität bereits Fortschritte sichtbar sind, besteht in anderen Bereichen noch Entwicklungsbedarf. Der Humanoid Capabilities Navigator hilft Unternehmen, Investitionen zu planen und Marktentwicklungen besser einzuschätzen.
Industrial Metaverse Reallabor Baden-Württemberg startet
Mit dem Industrial Metaverse Reallabor Baden-Württemberg entsteht in Stuttgart ein zentraler Anlaufpunkt für Unternehmen, die das Potenzial von Industrial-Metaverse-Technologien – zum Beispiel Digitale Zwillinge, Virtual und Augmented Reality oder Künstliche Intelligenz – für ihre digitale Transformation nutzen möchten. Diese Technologien wecken zwar branchenübergreifend großes Interesse, doch der Weg von einer abstrakten Idee zur konkreten Umsetzung erweist sich insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen als steinig. Technische Komplexität und wirtschaftliche Risiken bremsen die Einführung. Es fehlen passende Anwendungsfälle, niederschwellige und praxisnahe Zugänge zu innovationsrelevanten Metaverse-Technologien und verlässliche Methoden für deren Transfer in die wirtschaftliche Anwendung.
Hier setzt das Industrial Metaverse Reallabor Baden-Württemberg an. Die Projektpartner Fraunhofer IPA, Fraunhofer IAO, ARENA2036 und Filmakademie Baden-Württemberg unterstützen Unternehmen vor Ort dabei, digitale Technologien gezielt und risikoarm zu erproben und in die eigene Wertschöpfung zu integrieren. Unternehmen aus Baden-Württemberg sind eingeladen, ihre Ideen für Industrial-Metaverse-Anwendungen einzureichen und mit Unterstützung von Fachleuten in einer Machbarkeitsuntersuchung, einem sogenannten »Quick Check«, zu bewerten.
Reallabor entwickelt rechtssichere KI- und Robotiklösungen
Im Projekt »KIRR Real« überstützte ein Forschungsteam vom Fraunhofer IPA und der ARENA2036 Unternehmen bei der Umsetzung des EU AI Act und der EU-Maschinenverordnung, die 2027 in Kraft tritt. In Zusammenarbeit mit 15 Unternehmen analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konkrete KI- und Robotikanwendungen, identifizierten regulatorische Herausforderungen und entwickelten praxisnahe Empfehlungen.
Zentrale Probleme sind die Einordnung in Risikoklassen, fehlende harmonisierte Standards und Unsicherheiten bei der technischen und rechtlichen Umsetzung. Viele Unternehmen sind auf die neuen Vorschriften unzureichend vorbereitet und benötigen niederschwellige, praxisnahe Unterstützung. KIRR Real bot dazu Machbarkeitsuntersuchungen, Beratung und Handlungsempfehlungen.
Die Projektergebnisse fließen in Normungsgremien und Gesetzgebungsprozesse ein und sollen Unternehmen helfen, KI-Systeme rechtssicher und effizient zu entwickeln. Das Fraunhofer IPA arbeitet weiterhin intensiv daran, die KI-Regulierung praxisnah weiterzuentwickeln und Unternehmen optimal zu unterstützen.
Fünf Millionen Euro für das Forschungs- und Transferzentrum KI-noW
Das Forschungs- und Transferzentrum »Künstliche Intelligenz für eine nachhaltig optimierte Wertschöpfung« (KI-noW), eine Außenstelle des Fraunhofer IPA in Schweinfurt, erhält bis Ende 2029 weitere knapp fünf Millionen Euro vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie. Das KI-noW beschäftigt sich seit seiner Gründung im Oktober 2020 mit Fragestellungen rund um Industrie 4.0, Digitalisierung und die Integration von Künstlicher Intelligenz in die Produktion.
Damit leistet es einen Beitrag zur Stärkung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit und zur langfristigen Sicherung von Arbeitsplätzen – schwerpunktmäßig in der Region Schweinfurt, aber grundsätzlich auch in allen anderen Landesteilen Bayerns. In der zweiten Förderphase, die am 1. Januar 2026 begonnen hat, möchte sich das Forschungsteam vom KI-noW mehr auf KI-gestützte Simulationen konzentrieren, ist aber grundsätzlich weiterhin offen für andere Fragestellungen rund um die Produktion und darüber hinaus.
Ihre Ansprechpartner
Karin Röhricht
Mitarbeiterin des Forschungsbereichs Automatisierung und Robotik
Telefon: +49 711 970-3874
Hannes Weik
Mitarbeiter für Presse- und Online-Kommunikation
Telefon: +49 711 970-1664
