Die Idealplanung öffnet den Blick für neue Lösungsansätze

Idealplanung

Quelle: Gorodenkoff – stock.adobe.com, Bearbeitung: Fraunhofer IPA

Die Idealplanung öffnet den Blick für neue Lösungsansätze

Wer eine Fabrik plant, möchte schnell das große Ganze sehen. Doch das ist höchst komplex. Einfacher wird es, wenn man die Fabrik zunächst in ihre einzelnen Funktionsbereiche aufteilt und sie dann wieder zusammensetzt. Das gibt Orientierung und lohnt sich in der ersten Planungsphase, obwohl dabei einzelne Faktoren vernachlässigt werden.

Veröffentlicht am 02.04.2026

Lesezeit ca. 4 Minuten

Die Idealplanung nimmt die Klassifizierung (Bestimmung notwendiger Funktionsbereiche), Dimensionierung und Strukturierung (Anordnung der Funktionsbereiche) vor, ohne einschränkende Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. So bereitet sie den Boden für die Planung realer, umsetzungsfähiger Layoutvarianten.

Basierend auf den drei genannten Aufgabengebieten – Klassifizierung, Dimensionierung, Strukturierung – stellt die Idealplanung in der Fabrikplanungsmethodik des Fraunhofer IPA (siehe Abbildung 1) eine Konstante dar, die von planenden Unternehmen auch mal in Frage gestellt wird.

Fabrikplanungsmethodik des Fraunhofer IPA
Abbildung 1: Fabrikplanungsmethodik des Fraunhofer IPA (Quelle: Fraunhofer IPA)

Warum ist es so wichtig, sich von allen Restriktionen gedanklich freizumachen, bevor man sich mit den Eingrenzungen der Realität auseinandersetzt? Die Antwort auf diese Frage kann mit einem Begriff zusammengefasst werden: der Nordstern, der konstant an derselben Stelle leuchtet und schon Seefahrern vergangener Zeiten half, sich zu orientieren. Diese Orientierung brauchen auch Unternehmen. Doch in der Fabrikplanung taucht der Nordstern nicht einfach am Himmel auf, sondern muss ausgearbeitet werden.

Ausgangsbasis hierfür ist eine vollständige Liste aller Funktionsbereiche der zukünftigen Fabrik (Klassifizierung). Geometrie und Qualität beschreiben die Dimension und die Position im Layout für jeden einzelnen Funktionsbereich.

Idealplanung
Abbildung 2: Die Idealplanung als Blick Richtung Nordstern (Quelle: Fraunhofer IPA)

Die Frage, welcher Bereich wo stehen darf oder nicht stehen soll, beantwortet die Funktionsbeziehungsmatrix (Strukturierung), die alle relevanten Flussbeziehungen bezüglich Material, Kommunikation, Personen sowie Anlagennutzung einbezieht und im paarweisen Vergleich analysiert. Die Erkenntnisse aus dieser Matrixbetrachtung sind mit den Themenbereichen »Monumente« und »Materialflussstrukturen« zu ergänzen, deren Kenntnis die Ausarbeitung erster Layoutentwürfe voraussetzt.

Damit ist die kreative Planungsphase voll erreicht und die Ideen der Beteiligten münden in idealen Strukturen, die eine einzige zukunftsweisende Flächenkonstellationen beschreiben. Das ausgearbeitete Ideallayout positioniert technologische Ressourcen, logistische Bedarfe sowie die soziale Umgebung in optimaler Zuordnung und Dimensionierung.

Vorgehensweise in der Idealplanung
Abbildung 3: Vorgehensweise in der Idealplanung (Quelle: Fraunhofer IPA)

Der Nutzen: Teambuilding, Vollständigkeit, Vergleichbarkeit

Für Planungsverantwortliche im Unternehmen bringt der methodische Ansatz des Fraunhofer IPA drei entscheidende Vorteile:

  • Teambuilding: Die Projektverantwortlichen der entscheidenden Realplanung lernen sich und ihre Einstellungen kennen.
  • Vollständigkeit: Sozial- und Nebenbereiche vervollständigen die Produktions- und Logistikstrukturen zu einer ganzheitlichen Fabrik.
  • Vergleichbarkeit: Sie und Ihr Team kennen die Messlatte bezüglich layout- und flächenrelevanter Lösungsansätze genau.

Fazit

Die Ergebnisse der vierten Phase der Fabrikplanungsmethodik des Fraunhofer IPA – die Idealplanung – bündeln die Erkenntnisse der vorhergegangenen Phasen zu einem kreativen, zukunftsfähigen Konzept, das als Grundlage für die Realplanung zugleich als Vergleichsmodell dienen kann.

Wer seinen Nordstern kennt, stellt sicher, dass jeder Planungsschritt in die angestrebte Richtung zeigt und am Ende des Planungsweges ein Gesamtoptimum erreicht werden kann.

Serie »Von der Idee zum Fabrikkonzept«

In mehreren Serien von interaktiv-Beiträgen gibt das Forschungsteam Fabrikplanung und Wertstromdesign Einblicke in verschiedene Themenschwerpunkte. Erschienen ist in dieser Serie bereits:

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